Im Podcast: Warum ein Betrieb sein ERP heute selbst baut

Thomas Draxler war zu Gast bei „Der ERP Checker“. Rund 65 Minuten über KI-first ERP, Telefon-KI, Autonomie-Grade und die Frage, warum klassische Nischen-ERP-Anbieter gerade unter Druck geraten. Mit Kapitelübersicht und den Kernthesen zum Nachlesen.

· Thomas Draxler · Podcast

Es gibt eine Frage, die in fast jedem Erstgespräch kommt, meistens vorsichtig formuliert: „Kann man so etwas überhaupt selbst bauen?“ Gemeint ist das ERP. Also das System, in dem Aufträge, Material, Stunden und Rechnungen zusammenlaufen und das in vielen Betrieben seit fünfzehn Jahren dasselbe ist, weil ein Wechsel als zu riskant gilt.

Genau darüber habe ich mit Sebastian von Der ERP Checker gesprochen. Es ist ein ehrliches Gespräch geworden, auch an den Stellen, wo es unbequem wird.

Warum die Folge auch für Nicht-ERP-Menschen interessant ist

„Der ERP Checker“ ist ein Podcast von Leuten, die ERP-Auswahlprojekte seit Jahren begleiten. Das heißt: Ich sitze dort nicht vor einem wohlwollenden Publikum, sondern vor jemandem, der die Standardversprechen der Branche kennt und sie auseinandernimmt.

Der Kern der Folge ist keine Produktvorstellung, sondern eine Beobachtung: Für kleine und mittlere Betriebe sind klassische Nischen-ERP-Anbieter oft zu teuer, zu träge und schlecht integrierbar. Nicht, weil die Anbieter schlecht arbeiten, sondern weil ihr Geschäftsmodell auf Standardisierung beruht, während der Betrieb, der anruft, eben nicht Standard ist.

Die Kapitel der Folge

Wenn Du gezielt hineinhören willst, hier die Sprungmarken. Jeder Punkt öffnet die Folge an der passenden Stelle.

Vier Dinge aus der Folge, hier nachgeschärft

1. Es geht nicht ums ERP allein

Der häufigste Denkfehler ist, das ERP isoliert zu betrachten. In der Praxis liegt das Problem selten im ERP selbst, sondern in den Übergängen: Der Anruf landet nicht im Auftrag, die Stunden nicht in der Rechnung, das Angebot nicht im CRM. Jede dieser Lücken wird von einem Menschen überbrückt, der abtippt.

Deshalb bauen wir nicht „ein ERP“, sondern den Stack: ERP, CRM, Telefonanlage und Zeiterfassung an einem gemeinsamen Datenmodell. Wie das konkret aussieht, haben wir in KI im ERP-System für KMU aufgeschrieben.

2. Ziele statt Knöpfe

Das ist der Teil, der im Gespräch am meisten Rückfragen ausgelöst hat. Klassische Software kennt Knöpfe: Du klickst, sie tut. Ein digitaler Mitarbeiter bekommt stattdessen ein Ziel, einen Rahmen und einen Autonomie-Grad, der festlegt, wie weit er ohne Rückfrage gehen darf.

Das ist keine Spielerei, sondern die entscheidende Sicherheitsentscheidung. Ein Vorgang, bei dem ein Fehler auffällt, bevor er wirkt, darf mehr Autonomie bekommen als einer, der Geld bewegt. Den Unterschied zwischen einem solchen System und einem Chatbot haben wir in KI-Agent vs. Chatbot auseinandergenommen.

3. Die Telefon-KI ist der ehrlichste Testfall

Ab Minute 18 geht es um Spannwerk, die Plattform für die Elektrotechnik. Der Einstieg dort ist fast immer das Telefon: Anruf annehmen, verstehen worum es geht, Auftrag anlegen, weiterleiten.

Ich mag dieses Beispiel, weil es sich nicht schönreden lässt. Entweder der Anruf ist sauber im System gelandet oder nicht. Es gibt keine Zwischenstufe und keine Präsentation, hinter der man sich verstecken kann. Was das für einen Elektrobetrieb bedeutet, steht in KI-Telefonassistent für Elektriker.

4. Die Datenfrage ist keine Formalie

„Gehen meine Daten in die USA?“ ist die Frage, bei der viele Gespräche kippen, und sie ist berechtigt. Die Antwort in der Folge ist unspektakulär: on-premise im eigenen Haus oder in der EU-Cloud, je nachdem, was der Betrieb braucht und verantworten will.

Wer tiefer einsteigen will, wie Rechte und Rollen in so einem Setup sauber getrennt werden: On-Premise-KI und RBAC.

Zur Kostenfrage

Gegen Ende geht es darum, was ein digitaler Mitarbeiter im laufenden Betrieb realistisch kostet. Ich nenne dort keine Pauschale, und das ist Absicht: Die Spanne zwischen „E-Mails vorsortieren“ und „Auftrag inklusive Freigabelogik anlegen“ ist zu groß für eine seriöse Zahl in einem Nebensatz.

Was sich sagen lässt, sind die Treiber: Menge, Autonomie-Grad und wie viel Kontext ein Vorgang braucht. Wir haben das in Was agentische KI im KMU kostet mit offengelegtem Rechenweg aufgeschlüsselt.

Wo Du die Folge hörst

Danke an Sebastian und das Team von „Der ERP Checker“ für ein Gespräch, das an keiner Stelle geschönt war.

Wenn Du gerade selbst vor der Frage stehst, ob Dein ERP noch zu Deinem Betrieb passt: Melde Dich für ein kurzes Erstgespräch. Kein Verkaufstermin, sondern eine ehrliche Einschätzung, ob sich der Aufwand bei Dir überhaupt rechnet.

Häufige Fragen

Worum geht es in der Podcast-Folge mit Thomas Draxler?

Thomas Draxler war zu Gast bei „Der ERP Checker“. In rund 65 Minuten geht es darum, wie ein KI-first ERP entsteht, das ein Betrieb weitgehend auf sich zuschneiden lässt, statt jahrelang auf ein Standardsystem zu warten. Themen sind unter anderem der gesamte IT-Stack statt Insellösungen, Telefon-KI, Autonomie-Grade, DSGVO-konforme Datenhaltung und die Kostentreiber im laufenden Betrieb.

Warum bauen Betriebe ihr ERP heute selbst statt ein Standardsystem zu kaufen?

Weil klassische Nischen-ERP-Anbieter für kleine und mittlere Betriebe oft zu teuer, zu träge und schlecht integrierbar sind. In der Folge beschreibt Thomas Draxler eine 20/80-Aufteilung: Rund 20 Prozent Fundament werden wiederverwendet, 80 Prozent werden auf den konkreten Betrieb zugeschnitten. Beim klassischen ERP-Projekt läuft es umgekehrt: dort passt sich der Betrieb der Software an.

Was ist ein Autonomie-Grad bei einem digitalen Mitarbeiter?

Der Autonomie-Grad legt fest, wie weit ein digitaler Mitarbeiter gehen darf, bevor ein Mensch zustimmen muss. Ein Vorgang, bei dem ein Fehler auffällt, bevor er wirkt, kann mehr Autonomie bekommen als einer, der Geld bewegt. Der Betrieb entscheidet das pro Vorgang, nicht der Softwareanbieter.

Laufen KI-Agenten im ERP DSGVO-konform?

Ja, wenn die Datenhaltung entsprechend gewählt wird. In der Folge wird das ab Minute 40 behandelt: Der Betrieb entscheidet zwischen on-premise im eigenen Haus und einer EU-Cloud. Beides ist DSGVO-konform umsetzbar, die Wahl hängt davon ab, was der Betrieb braucht und verantworten will.

Wo kann ich die Folge hören?

Die Folge ist auf YouTube beim Kanal „Der ERP Checker“ verfügbar sowie als Podcast auf Spotify und Apple Podcasts. Auf dieser Seite ist sie direkt eingebettet und kann mit einem Klick gestartet werden.