Betriebssystem für Handwerksbetriebe: Handwerkersoftware im Vergleich

Welche Software braucht ein Handwerksbetrieb? Sechs Anbieter mit Listenpreisen, eine Beispielrechnung für acht Leute, was die Software können muss und wann ein eigenes Betriebssystem überhaupt sinnvoll ist.

· ChangeMy.AI Team · Betriebssystem

Welche Software braucht ein Handwerksbetrieb?

Ein Handwerksbetrieb braucht Software, die einen Auftrag von der Anfrage über Aufmaß, Angebot, Einsatz und Zeiterfassung bis zur Schlussrechnung durchgängig abbildet. Wie klein die meisten Betriebe sind, zeigen die Zahlen: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks nennt 1.038.126 eingetragene Betriebe mit rund 6 Millionen Menschen, nach unserer Rechnung also im Schnitt rund sechs je Betrieb. In Österreich zählt die Sparte Gewerbe und Handwerk der WKO 304.049 aktive Mitglieder und 798.342 unselbstständig Beschäftigte, wobei die Sparte mehr umfasst als das klassische Handwerk.

Bei dieser Größe ist die IT meist Chefsache. Deshalb zählt weniger die Funktionsliste als die Frage, ob die Software im Alltag ohne eigene IT-Abteilung läuft.

Wie digital ist das Handwerk heute?

Das Handwerk ist bei Angeboten und Rechnungen schon weit, bei anderen Anwendungen deutlich weniger. Das zeigt die Bitkom-Studie „Digitalisierung des Handwerks“ mit 504 telefonisch befragten Handwerksunternehmen in Deutschland aus dem Jahr 2025.

Anteil der befragten BetriebeWert
Mindestens ein digitaler Service für Kunden85 %
Digitaler Angebotsversand68 %
Digitaler Rechnungsversand62 %
Digitale Dokumentation von Arbeitsschritten29 %
Cloud Computing56 %
Smarte Software17 %
KI im Einsatz4 %

Bemerkenswert sind zwei weitere Zahlen derselben Studie: 58 Prozent geben an, nicht zu wissen, was technisch alles möglich ist, und 69 Prozent nennen hohe Investitionskosten als Hemmnis. Schon 2022 hielten laut ZDH und Bitkom 81 Prozent der Betriebe viele digitale Anwendungen für überdimensioniert.

Für ein ERP gibt es nur eine Annäherung. Laut den Eurostat-Daten für 2025 nutzen im Bau 34,0 Prozent der Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland ein ERP und 30,8 Prozent in Österreich, über alle Branchen sind es 43,5 und 37,5 Prozent. Bau ist nicht dasselbe wie Handwerk, und Betriebe unter 10 Beschäftigten fehlen in diesen Zahlen. Sie zeigen nur die Richtung.

Welche Handwerkersoftware gibt es, und was kostet sie?

Handwerkersoftware gibt es vor allem als Cloud-Programm, und sie kostet im Monat ab 59,90 € je Paket oder, je Nutzer abgerechnet, 29,90 € fürs Büro und 14,90 € für die Baustelle, jeweils bei Jahreszahlung und ohne Einführung. Die Preismodelle weichen stark voneinander ab. Die Tabelle nennt Anbieter mit öffentlicher Preisliste, Stand 02.11.2026. Sie ist eine Auswahl und keine Rangliste. HERO, plancraft und Craftnote nennen ihre Preise ausdrücklich ohne Umsatzsteuer.

AnbieterPreis im Monat laut AnbieterZahlweise und BindungAbrechnung
HEROSelect ab 69 €, HERO OS ab 119 €, HERO OS Plus ab 299 €Jährlich; bei 24 Monaten 55,20 €, 105,20 € und 285,20 €Paket mit einer Standard-Lizenz, weitere Standard-Lizenz 69 € (nicht bei Select), App-Lizenz 22 €
plancraftBusiness 59,90 €, Pro 109,90 €, Premium 199,90 €Jährliche Vorauszahlung; monatlich 74,90 €, 139,90 €, 249,90 €; zweijährig 47,92 €, 87,92 €, 159,92 €Paket mit einem bis drei Büro-Nutzern, weiterer Büro-Nutzer 49,90 €, mobiler Nutzer 19,90 €
ToolTimeSolo 89 €, Team 169 €, Max 329 €Monatlich; bei Jahreszahlung im ersten Jahr 69 €, 145 €, 279 €, danach 79 €, 149 €, 299 €Paket für 1, bis 5 oder bis 10 Mitarbeitende
CraftnoteBaustelle 14,90 €, Büro 29,90 €, Büro Plus 49,90 € (statt 69,90 €)Jährliche AbrechnungJe Nutzer
openHandwerkKaufmännischer Nutzer 45 €, gewerblicher Nutzer 35 €Jährlich; monatlich je 60 €Je Nutzer
pds90 bis 130 € je Büro-ArbeitsplatzMietmodellJe Büro-Arbeitsplatz, Apps im Schnitt 16 € je Mitarbeiter

Was das für einen Betrieb bedeutet, zeigt eine Beispielrechnung für acht Leute, zwei im Büro und sechs auf der Baustelle. Sie nutzt die Listenpreise aus der Tabelle, bei Jahreszahlung, wo es sie gibt, ohne Zusatzmodule und ohne Einführung. Der Funktionsumfang unterscheidet sich, die Summen zeigen also nur die Größenordnung.

Beispiel: 2 Büro, 6 BaustelleRechnungIm Monat
Craftnote, Büro Plus und Baustelle2 × 49,90 € + 6 × 14,90 €189,20 €
plancraft Pro109,90 € + 6 × 19,90 €229,30 €
ToolTime MaxPaketpreis im ersten Jahr, danach 299 €279 €
pds2 × 90 bis 130 € + 6 × 16 €276 bis 356 €
openHandwerk2 × 45 € + 6 × 35 €300 €
HERO OS119 € + 69 € + 6 × 22 €320 €

Für Österreich haben HERO und plancraft eigene Seiten. plancraft nennt dort eine ÖNORM-Schnittstelle.

Was ist der Unterschied zwischen Handwerkersoftware und einem ERP-System?

Handwerkersoftware deckt den Ablauf eines Handwerksauftrags ab, ein ERP-System geht darüber hinaus und umfasst auch Einkauf, Lager, Produktion und Finanzen mehrerer Bereiche. Die Grenze ist fließend. pds bietet beides getrennt an: im Mietmodell, Stand 02.11.2026, die Handwerkersoftware für 90 bis 130 € je Büro-Arbeitsplatz im Monat und eine ERP-Software mit Finanzwesen und Controlling für 180 bis 230 €.

Wer nach einem „ERP-System fürs Handwerk“ sucht, braucht deshalb oft kein klassisches ERP. Es wird erst nötig, wenn neben den Baustellen auch Fertigung oder ein größeres Lager laufen. Die Begriffe im Einzelnen erklärt ERP, CRM oder Betriebssystem.

Was muss Handwerkersoftware können?

Handwerkersoftware muss mindestens Aufmaß, Angebot, Einsatzplanung, Zeiterfassung und Rechnung auf einem Auftrag verbinden, und das auch am Handy. Die Tabelle zeigt, worauf du je Baustein achten solltest. Die letzte Spalte beschreibt, was ein KI-Agent übernehmen kann, wenn er auf diese Daten zugreift.

BausteinWorauf du achten solltestWas ein KI-Agent übernehmen kann
Anfragen und KundenakteAnruf, E-Mail und Formular landen beim selben KundenAnfragen erfassen, Rückfragen vorbereiten, Termine vorschlagen
Aufmaß und AngebotArtikel vom Großhandel per Datanorm oder IDS, Leistungsverzeichnisse per GAEB oder ÖNORMAngebot aus Aufmaß und Vorlagen vorbereiten, an offene Angebote erinnern
EinsatzplanungPlantafel für Teams und Material, auch unterwegsTermine abstimmen, Änderungen ankündigen
Zeiterfassung und BaustellenakteZeiten, Fotos und Berichte direkt am AuftragSprachnotizen und Fotos zu einem Bericht vorbereiten
RechnungAbschlags- und Schlussrechnung, E-Rechnung, Export zur SteuerberatungRechnung aus Aufmaß und Zeiten vorbereiten, offene Rechnungen nachfassen
Wartung und ServiceWiederkehrende Termine und Anlagen je KundeAn fällige Wartungen erinnern

Drei Punkte verdienen einen zweiten Blick:

Wann reicht Handwerkersoftware, und wann nicht?

Handwerkersoftware reicht, solange deine Abläufe denen anderer Betriebe deines Gewerks ähneln, und das gilt für viele kleine Betriebe. Dann bekommst du fertige Vorlagen, einen Hersteller, der die Software pflegt, und einen schnellen Start.

Das spricht für ein Standardprogramm:

Das spricht für ein eigenes Betriebssystem:

Das Wort „Betriebssystem“ allein sagt dabei wenig. HERO nennt sein Standardprodukt „Das Betriebssystem fürs Handwerk“. Der Unterschied liegt darin, für wen gebaut wird: Ein Standardprodukt ist für viele Betriebe einer Branche gemacht, ein eigenes Betriebssystem für den eigenen Betrieb für einen. Beides hat seinen Platz. Die Grundsatzfrage behandelt Individualsoftware oder Standardsoftware.

Wie gehst du am besten vor?

Am besten gehst du vom größten Engpass im Alltag aus und testest erst danach Software.

  1. Ablauf aufschreiben: Nimm einen typischen Auftrag und notiere jeden Schritt, jedes Programm und jeden Zettel.
  2. Engpass finden: Wo wird doppelt erfasst, gesucht oder nachgefragt? Das ist dein erster Baustein.
  3. Anforderungen festhalten: Eine Seite genügt für den Anfang, mehr dazu in der Lastenheft-Vorlage.
  4. Zwei bis drei Programme testen: Spiel den echten Auftrag durch, gemeinsam mit den Leuten auf der Baustelle.
  5. Entscheiden: Läuft er sauber, nimm das Programm. Läuft er nur mit Umwegen, lohnt der Blick auf einen eigenen Baustein.

Wenn es ein eigenes System wird, gilt bei uns: Festpreis je Baustein und eine monatliche Pauschale für Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung, einzelne KI-Agenten ab 499 € im Monat. Der erste Baustein läuft meist nach 4 bis 6 Wochen, ein einzelner KI-Agent oft schon nach 1 bis 3 Wochen, das ganze System wächst über einige Monate. Euer individueller Code und eure Daten gehören euch, sobald der Baustein bezahlt ist. Den genauen Preis nennen wir nach dem 30-Minuten-Gespräch. Einen ersten Entwurf siehst du auf der Startseite: Firmenwebsite eingeben, und in einer Minute weißt du mehr. Wenn dabei herauskommt, dass ein Standardprogramm reicht, ist das auch ein Ergebnis.

Quellen

Alle abgerufen am 02.11.2026. Listenpreise laut Preisseite des Anbieters, sie können sich ändern und hängen teils von Laufzeit und Zahlweise ab.

Häufige Fragen

Was kostet Handwerkersoftware?

Laut den Preisseiten der Anbieter, Stand 02.11.2026, beginnt sie bei Paketen ab 59,90 € (plancraft bei jährlicher Vorauszahlung) und 69 € (HERO, Jahrespreis) im Monat, jeweils mit einem Büro-Nutzer. Craftnote rechnet je Nutzer ab, ab 14,90 € für die Baustelle und 29,90 € fürs Büro bei jährlicher Abrechnung. Einführung und Zusatzmodule können dazukommen.

Welche Handwerkersoftware ist die beste für kleine Betriebe?

Eine beste gibt es nicht. Teste zwei bis drei Programme mit einem echten Auftrag, vom Aufmaß bis zur Schlussrechnung, und lass die Leute auf der Baustelle mittesten. Achte auf dein Gewerk, die Anbindung an deinen Großhändler und den Weg der Daten zur Steuerberatung.

Was ist der Unterschied zwischen Handwerkersoftware und einem ERP-System?

Handwerkersoftware deckt den Ablauf eines Handwerksauftrags ab, von Anfrage und Aufmaß bis zur Rechnung. Ein ERP-System geht weiter und umfasst auch Einkauf, Lager, Produktion und Finanzen mehrerer Bereiche. pds bietet zum Beispiel beides als getrennte Produkte an.

Gibt es Handwerkersoftware für Österreich?

Ja. HERO hat eine eigene österreichische Seite mit Preisen, plancraft ebenfalls und nennt dort eine ÖNORM-Schnittstelle. Prüf bei jedem Anbieter, ob Vorlagen, Steuersätze und Schnittstellen für Österreich passen.

Müssen Handwerker E-Rechnungen ausstellen?

In Deutschland ja, sobald sie an andere inländische Unternehmen abrechnen: laut § 27 Abs. 38 UStG ab 2027 bei mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz, ab 2028 alle übrigen. Kleinunternehmer und Rechnungen an Privatkunden sind nicht betroffen. Empfangen können muss jedes inländische Unternehmen sie laut IHK München schon heute.

Braucht ein Handwerksbetrieb ein eigenes Betriebssystem?

Meist nicht. Wenn deine Abläufe denen anderer Betriebe deines Gewerks ähneln, ist ein Standardprogramm die bessere Wahl. Ein eigenes Betriebssystem lohnt sich, wenn du etwa Fertigung, Montage und Wartung verbindest oder Abläufe hast, die in keinem Programm sauber laufen.