Lastenheft-Vorlage für Software und ERP: Kostenlos als Word-Datei, mit Beispielen
Was in ein Lastenheft gehört, worin es sich vom Pflichtenheft unterscheidet und wie gute Anforderungen klingen. Mit kostenloser Word-Vorlage zum Herunterladen, Beispielen und einer Checkliste für Software, ERP und das eigene Betriebssystem.
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Was ist ein Lastenheft?
Ein Lastenheft beschreibt, was ein Auftraggeber von einer Software oder einem System erwartet, aus seiner Sicht und ohne die technische Lösung vorzugeben. Die Norm DIN 69901-5 spricht laut Wikipedia von der „vom Auftraggeber festgelegten Gesamtheit der Forderungen“ an einen Auftragnehmer. Die Norm selbst ist kostenpflichtig, wir haben sie nicht gelesen. Für das Vorgehen gibt es außerdem die Richtlinie VDI 2519 Blatt 1.
Für einen Betrieb ohne IT-Abteilung ist das Lastenheft vor allem ein Mittel, um Klarheit zu schaffen. Es zwingt dazu, Abläufe aufzuschreiben, Wichtiges von Wünschen zu trennen und Anbieter mit denselben Fragen zu vergleichen. Das zahlt sich aus: In einer von erp-software.org wiedergegebenen Auswertung des Panorama-Reports mit 170 Projekten, davon gut die Hälfte multinational, nennen 51,0 Prozent der Projekte über Budget den Projektumfang als Grund. Das Original ist nicht frei lesbar, und ein Lastenheft verhindert das nicht von allein. Es macht aber sichtbar, wann der Umfang wächst.
Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?
Das Lastenheft sagt, was gebraucht wird, und das Pflichtenheft sagt, wie es umgesetzt wird. Das erste schreibt der Auftraggeber, das zweite der Auftragnehmer als Antwort darauf. So beschreibt es auch die DIN 69901-5 laut Wikipedia.
| Lastenheft | Pflichtenheft | |
|---|---|---|
| Wer schreibt es | Auftraggeber, also dein Betrieb | Auftragnehmer, also der Anbieter |
| Frage | Was und wozu? | Wie und womit? |
| Inhalt | Vorgänge, Anforderungen, Rahmenbedingungen | Lösung, Technik, Aufwand, Termine |
| Zeitpunkt | Vor der Anfrage | Nach dem Lastenheft, vor der Umsetzung |
| Beispiel | Der Monteur sieht den Auftrag am Handy, auch ohne Netz | Die App speichert Aufträge lokal und gleicht sie beim nächsten Empfang ab |
Bei Standardsoftware gibt es oft kein Pflichtenheft im engeren Sinn. Dann antwortet der Anbieter auf dein Lastenheft mit dem Standardumfang, den Anpassungen und einem Angebot. Bleib trotzdem bei deiner Nummerierung, dann kannst du die Antworten nebeneinanderlegen.
Lohnt sich ein Lastenheft auch für kleine Projekte?
Ein Lastenheft lohnt sich auch für kleine Projekte, solange es kurz bleibt. Schon wenige Seiten klären, was der wichtigste Vorgang ist, was fertig bedeutet und was nicht dazugehört. Das ist unsere Erfahrung aus Softwareprojekten und keine Studie. Wer nur ein Rechnungsprogramm auswählt, braucht dagegen keines, da reicht eine Liste mit fünf Punkten und ein Test.
Wichtig ist auch die rechtliche Seite. In Deutschland ist ein Werk laut § 633 BGB frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. In Österreich knüpft die Gewährleistung in § 922 ABGB an bedungene oder gewöhnlich vorausgesetzte Eigenschaften an. Was nicht vereinbart ist, lässt sich später also schwerer einfordern. Das Lastenheft zählt allerdings nur, wenn es Teil des Vertrags wird. Ob ein Softwareprojekt ein Werkvertrag ist, hängt vom Einzelfall ab, lass das im Zweifel rechtlich prüfen.
Was gehört in ein Lastenheft für Software oder ERP?
In ein Lastenheft für Software oder ERP gehören Ziel, Vorgänge, nummerierte Anforderungen, Daten, Schnittstellen, Vorgaben, Abnahme und das, was ausdrücklich nicht dazugehört. Die Vorlage hat dafür dreizehn Abschnitte:
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| # | Abschnitt | Welche Frage er beantwortet |
|---|---|---|
| 1 | Ausgangslage und Ziel | Warum dieses Projekt, und woran erkennen wir den Erfolg? |
| 2 | Beteiligte | Wer entscheidet, wer liefert zu, wer nutzt es? |
| 3 | Heutige Programme und Listen | Womit arbeiten wir heute, und was soll bleiben? |
| 4 | Vorgänge | Welche Abläufe soll das System tragen, Schritt für Schritt? |
| 5 | Anforderungen | Was muss, soll oder kann es können, mit Nummer? |
| 6 | Bausteine und Reihenfolge | Was kommt zuerst, was später? |
| 7 | Daten und Übernahme | Welche Daten ziehen um, wie sauber sind sie? |
| 8 | Schnittstellen | Womit muss es sprechen, etwa Buchhaltung oder Großhandel? |
| 9 | Recht und Sicherheit | Datenschutz, E-Rechnung, Aufbewahrung, Rollen? |
| 10 | KI-Agenten | Was dürfen sie, wo gibt der Betrieb frei? |
| 11 | Betrieb, Eigentum und Ausstieg | Wer betreibt es, wem gehören Code und Daten, wie kommen wir raus? |
| 12 | Abnahme | Woran prüfen wir, dass es fertig ist? |
| 13 | Rahmen und Abgrenzung | Budget, Termine und was nicht dazugehört? |
Für einen einzelnen Baustein genügen oft die Abschnitte 1, 4, 5, 7, 12 und 13. Die übrigen ergänzt du, wenn es um ein ganzes System geht.
Wie schreibst du gute Anforderungen?
Gute Anforderungen beschreiben ein Ergebnis, das sich mit Ja oder Nein prüfen lässt, und sie geben keine Technik vor. Die einfachste Prüffrage lautet: Was sähe anders aus, wenn die Anforderung nicht erfüllt wäre? Sieht nichts anders aus, ist es keine Anforderung, sondern ein Wunsch.
| Schwach | Besser | Warum |
|---|---|---|
| Das System soll benutzerfreundlich sein | Ein neuer Mitarbeiter legt nach einer Einweisung einen Auftrag ohne Hilfe an | Prüfbar |
| Schnelle Suche | Ein Kunde lässt sich über Name, Nummer oder Telefon finden | Sagt, was gesucht wird |
| Schnittstelle zur Buchhaltung | Ausgangsrechnungen stehen am Monatsende in der Buchhaltung, ohne Abtippen | Beschreibt das Ergebnis, nicht die Technik |
| Wir brauchen eine App | Monteure sehen den Auftrag auf der Baustelle, auch ohne Netz | Lässt die Lösung offen |
| Rechtesystem | Mitarbeiter im Lager sehen keine Einkaufspreise | Sagt auch, was nicht sichtbar sein darf |
Gib jeder Anforderung eine Nummer und eine von drei Stufen. Muss heißt: Ohne das kaufen wir nicht. Soll heißt: Wichtig, aber es gibt einen Umweg. Kann heißt: Schön, wenn es dabei ist. Wenn fast alles Muss ist, hast du noch nicht entschieden, und Anbieter können deine Prioritäten nicht erkennen.
Wie sieht ein Vorgang im Lastenheft aus?
Ein Vorgang im Lastenheft besteht aus Auslöser, Schritten, Ergebnis und den Anforderungen daran. Das folgende Beispiel ist erfunden und zeigt nur die Form.
Beispiel, Vorgang V-03: Aus dem Angebot wird ein Auftrag
- Auslöser: Der Kunde sagt per E-Mail oder Telefon zu.
- Wer: Innendienst, etwa 15 Mal pro Woche.
- Heute: Das Angebot liegt in Word, der Auftrag wird im Rechnungsprogramm neu abgetippt.
- Ergebnis: Auftrag mit allen Positionen, Termin und Zuständigem.
| Nr. | Anforderung | Stufe | Geprüft durch |
|---|---|---|---|
| A-031 | Aus einem Angebot entsteht mit einem Klick ein Auftrag, ohne neue Eingabe | Muss | Testauftrag |
| A-032 | Änderungen am Auftrag verändern das ursprüngliche Angebot nicht | Muss | Testauftrag |
| A-033 | Der Zuständige sieht den neuen Auftrag sofort in seiner Liste | Soll | Testauftrag |
| A-034 | Ein KI-Agent bereitet den Auftrag aus der Zusage per E-Mail vor, der Innendienst gibt frei | Kann | Probelauf mit zehn echten Zusagen |
Was gehört beim eigenen Betriebssystem zusätzlich hinein?
Beim eigenen Betriebssystem gehören zusätzlich die Reihenfolge der Bausteine, die Regeln für KI-Agenten und der Ausstieg hinein. Diese Punkte fehlen in vielen Vorlagen, weil Standardsoftware sie anders löst.
- Reihenfolge: Welcher Baustein kommt zuerst, und was muss bis dahin in den alten Programmen bleiben? Das Vorgehen steht in ERP-Einführung Baustein für Baustein.
- KI-Agenten: Auf welche Daten greifen sie zu, was dürfen sie allein, und wo gibt der Betrieb frei? Wo es um Geld, Kunden oder Verträge geht, sollte immer ein Mensch entscheiden.
- Eigentum und Ausstieg: Wem gehören Code und Daten, in welchem Format kommen die Daten heraus, wer darf weiterentwickeln? Die zehn Fragen dazu stehen in Vendor-Lock-in. Bei uns gehören euer individueller Code und eure Daten euch, sobald der Baustein bezahlt ist.
- Gesetzliche Vorgaben: Schreib die E-Rechnung und die Aufbewahrungsfristen als eigene Anforderungen auf. In Deutschland gelten je nach Unterlage sechs, acht oder zehn Jahre, in Österreich grundsätzlich sieben Jahre.
- Betrieb: Wer aktualisiert, sichert und überwacht das System, und was kostet das im Monat?
Offen gesagt: ChangeMy.AI baut solche Betriebssysteme, die Vorlage funktioniert aber für jedes Softwareprojekt und jeden Anbieter. Ob eigenes System oder Standard die bessere Wahl ist, klärt Individualsoftware oder Standardsoftware, Beispiele für Branchen stehen in Handwerkersoftware im Vergleich und ERP für Großhandel und Produktion.
Wie gehst du in fünf Schritten vor?
Du gehst am besten vom echten Ablauf aus und schreibst erst danach Anforderungen.
- Vorgänge sammeln: Sprich mit den Leuten, die täglich damit arbeiten, und lass dir echte Fälle zeigen, auch die Sonderfälle.
- Anforderungen formulieren: Schreib zu jedem Vorgang, was am Ende stimmen muss, mit Nummer und Stufe.
- Kürzen: Streiche, was niemand vermissen würde, und verschiebe den Rest auf spätere Bausteine.
- Anbieter fragen: Schick dasselbe Lastenheft an zwei bis drei Anbieter und bitte um Antworten je Nummer.
- Abnahme vereinbaren: Nimm das Lastenheft in den Vertrag und leg fest, wie geprüft wird.
Bevor du es verschickst, hilft dieser kurze Test:
Ist dein Lastenheft bereit?
- Das Ziel passt in zwei Sätze
- Jeder Vorgang hat Auslöser, Schritte und Ergebnis
- Jede Anforderung hat eine Nummer und eine Stufe
- Weniger als die Hälfte der Anforderungen ist Muss
- Keine Anforderung gibt eine Technik vor, ohne dass es nötig ist
- Datenübernahme und Schnittstellen sind genannt
- Es steht drin, wem Code und Daten gehören und wie ihr rauskommt
- Jede Muss-Anforderung lässt sich bei der Abnahme prüfen
- Es steht drin, was nicht dazugehört
Die Schwelle „weniger als die Hälfte“ ist eine Faustregel von uns, keine Norm.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
Die häufigsten Fehler sind eine vorgegebene Lösung, ein kopiertes Altsystem und fehlende Abnahmekriterien. Diese Liste beruht auf unserer eigenen Erfahrung und ist keine Studie.
- Lösung statt Problem: „Wir brauchen eine App“ schließt bessere Wege aus. Beschreib, was erreicht werden soll.
- Altsystem abschreiben: Wer jede Funktion des alten Programms übernimmt, baut auch dessen Umwege nach.
- Ohne die Nutzer schreiben: Was die Leute im Lager und auf der Baustelle wirklich tun, weiß die Geschäftsführung oft nicht im Detail.
- Sonderfälle vergessen: Stornos, Teillieferungen und Reklamationen kosten später am meisten.
- Daten unterschätzen: Das Bereinigen dauert oft länger als erwartet, siehe Excel und Insellösungen ablösen.
- Keine Abgrenzung: Was nicht als „nicht enthalten“ dasteht, wird später zum Streitfall.
Wenn du lieber erst sehen willst, wie dein System aussehen könnte, bevor du schreibst: Auf der Startseite gibst du deine Firmenwebsite ein und bekommst in einer Minute einen ersten Entwurf mit Bausteinen und KI-Agenten. Der ersetzt kein Lastenheft, liefert aber einen guten Anfang für Abschnitt 6. Grundlagen stehen im Beitrag Betriebssystem für den eigenen Betrieb.
Quellen
Alle abgerufen am 02.11.2026.
- Wikipedia, Lastenheft und Pflichtenheft: geben DIN 69901-5 wieder. Die Norm ist kostenpflichtig und wurde nicht gelesen.
- VDI 2519 Blatt 1: nur der Titel, der Text ist kostenpflichtig.
- erp-software.org, ERP-Statistiken: gibt den Panorama-Report wieder, das Original wurde nicht gelesen. Stichprobe 170, davon 56,5 Prozent multinational.
- § 633 BGB und § 922 ABGB
- § 147 Abgabenordnung und § 132 BAO
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?
Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber: Es sagt, was gebraucht wird und warum. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer als Antwort darauf: Es sagt, wie und womit er das umsetzt. Beide Begriffe beschreibt die Norm DIN 69901-5.
Wer schreibt das Lastenheft?
Der Auftraggeber, also dein Betrieb. In der Praxis schreibt eine Person, die Leute aus den betroffenen Bereichen liefern die Abläufe zu. Du kannst dir beim Schreiben helfen lassen, die Entscheidungen bleiben aber bei dir.
Wie lang sollte ein Lastenheft sein?
So kurz wie möglich, und eine feste Länge gibt es nicht. Für einen einzelnen Baustein reichen nach unserer Erfahrung wenige Seiten, für ein ganzes ERP-System werden es mehr. Wichtiger als die Länge ist, dass jede Anforderung prüfbar ist und eine Nummer hat.
Gibt es eine kostenlose Lastenheft-Vorlage als Word-Datei?
Ja. Unsere Vorlage steht in diesem Artikel zum Herunterladen, ohne Anmeldung und ohne E-Mail-Adresse. Sie enthält dreizehn Abschnitte und Beispiele, die du überschreibst.
Ist ein Lastenheft rechtlich verbindlich?
Nicht von selbst. Es zählt, wenn es Teil des Vertrags wird, und dann kann es eine große Rolle spielen, weil Gesetze an die vereinbarte Beschaffenheit oder an bedungene Eigenschaften anknüpfen, etwa § 633 BGB und § 922 ABGB. Lass den Vertrag im Zweifel rechtlich prüfen.
Was gehört in ein Lastenheft für ein ERP-System?
Vor allem die echten Vorgänge vom Angebot bis zur Zahlung, Muss- und Kann-Anforderungen, die Datenübernahme, die Schnittstellen, gesetzliche Vorgaben wie die E-Rechnung und die Aufbewahrung, dazu Regeln für den Ausstieg und prüfbare Abnahmekriterien.