Betriebssystem für Großhandel und Produktion: Was ein ERP hier können muss
Laut Eurostat nutzen rund sieben von zehn Großhändlern ab 10 Beschäftigten ein ERP, in der Herstellung rund sechs von zehn. Die Zahlen je Branche, was ein System hier können muss, Listenpreise und wann ein eigenes Betriebssystem passt.
Warum nutzen Großhandel und Produktion häufiger ein ERP als andere Branchen?
Großhandel und Produktion nutzen vermutlich häufiger ein ERP, weil bei ihnen viele Artikel, Bestände und Termine ineinandergreifen und sich das ohne gemeinsames System kaum beherrschen lässt. Dieser Grund ist unsere Einschätzung. Dass sie es häufiger nutzen, zeigt unsere Auswertung der Eurostat-Tabelle für 2025. Sie erfasst Unternehmen ab 10 Beschäftigten, für die Schweiz enthält sie keine Werte.
| Anteil der Unternehmen mit ERP, 2025 | EU | Deutschland | Österreich |
|---|---|---|---|
| Alle Branchen ohne Finanzsektor | 46,5 % | 43,5 % | 37,5 % |
| Großhandel | 67,7 % | 70,4 % | 68,8 % |
| Einzelhandel | 41,3 % | 35,3 % | 34,7 % |
| Herstellung insgesamt | 57,6 % | 63,3 % | 59,0 % |
| Maschinenbau | 74,0 % | 78,8 % | 82,2 % |
| Metall | 59,6 % | 67,2 % | 64,8 % |
| Möbel, Sonstiges, Reparatur und Installation | 51,6 % | 55,1 % | 50,3 % |
| Lebensmittel und Getränke | 45,1 % | 36,8 % | 39,5 % |
Die Eurostat-Zahlen zeigen zwei Dinge. Ein ERP ist in diesen Branchen der Normalfall, aber rund drei von zehn Großhändlern ab 10 Beschäftigten arbeiten ohne. Und die Unterschiede innerhalb der Herstellung sind groß: Im Maschinenbau ist es fast Standard, in der Lebensmittelherstellung nutzen es in Deutschland und Österreich weniger als 40 Prozent. Ob ein Betrieb ein ERP hat, sagt allerdings nichts darüber, wie gut es zu seinen Abläufen passt.
Beim Kundenbereich sieht es anders aus: Ein CRM nutzen im Großhandel laut derselben Tabelle 42,9 Prozent in Deutschland und 54,9 Prozent in Österreich, in der Herstellung 30,8 und 31,0 Prozent. Warum das zusammengehört, erklärt ERP, CRM oder Betriebssystem.
Was muss ein ERP im Großhandel können?
Ein ERP im Großhandel muss vor allem große Artikelmengen, kundenbezogene Preise, Bestände über mehrere Lager und die Anbindung von Kunden und Lieferanten beherrschen.
| Anforderung | Warum sie zählt | Was du im Test prüfen solltest |
|---|---|---|
| Artikelstamm | Tausende Artikel mit Einheiten, Verpackungen, Lieferanten | Import deiner echten Artikeldaten |
| Preislogik | Staffelpreise, Rahmenverträge, Kundenpreise | Ein Auftrag mit Sonderpreis und Staffel |
| Lager und Verfügbarkeit | Mehrere Lager, Lagerplätze, Kommissionierung am Handy | Teillieferung und Bestand während des Auftrags |
| Einkauf | Bestellvorschläge, Lieferzeiten, Rückstände | Vorschlag bei knappem Bestand |
| Chargen und Seriennummern | Rückruf, Mindesthaltbarkeit, Reklamation | Welche Kunden haben Charge X bekommen? |
| EDI und Kundenanbindung | Große Kunden bestellen automatisiert | Bestellung über deinen echten Partner |
| E-Rechnung | Pflichten in Deutschland, Wünsche von Kunden | Ausstellen und Empfangen nach EN 16931 |
Zwei Punkte sind in dieser Branche besonders wichtig.
Rückverfolgbarkeit: Wer Lebensmittel handelt, muss laut Artikel 18 der Verordnung (EG) 178/2002 feststellen können, von wem er die Ware erhalten hat und an welche Unternehmen er sie geliefert hat, und diese Angaben den Behörden auf Aufforderung nennen. Ohne Chargen im System heißt das im Ernstfall: Lieferscheine durchsuchen.
EDI: Über EDI tauschen Geschäftspartner laut GS1 Germany Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen automatisiert aus, der verbreitete Standard heißt EANCOM. Für Rechnungen läuft in Deutschland eine Frist: Bis Ende 2027 dürfen sie laut § 27 Abs. 38 UStG mit Zustimmung des Empfängers noch in Formaten über EDI gehen, die nicht der Norm entsprechen. Danach muss das Format die Vorgaben erfüllen. Alles dazu steht in E-Rechnung 2027.
Was muss ein ERP in der Produktion können?
Ein ERP in der Produktion muss Stücklisten, Arbeitspläne, Material und Termine zusammenbringen, damit aus einem Auftrag ein machbarer Plan wird.
| Anforderung | Worum es geht | Was du im Test prüfen solltest |
|---|---|---|
| Stückliste | Woraus besteht das Produkt, auch in Varianten | Ein Produkt mit Variante und Unterbaugruppe |
| Arbeitsplan | Welche Schritte auf welcher Maschine, in welcher Zeit | Ein echter Auftrag von Anfang bis Ende |
| Materialbedarf | Was fehlt wann, was muss bestellt werden | Bestellvorschlag aus dem Auftrag |
| Kapazität | Sind Maschinen und Leute frei | Zwei Eilaufträge zur selben Zeit |
| Rückmeldung | Was ist tatsächlich fertig, was ist Ausschuss | Eingabe an der Maschine, auch mit Handschuhen |
| Liefertermin | Welcher Termin ist wirklich haltbar | Auskunft an den Kunden während der Fertigung |
| Nachkalkulation | Was hat der Auftrag tatsächlich gekostet | Vergleich mit der Kalkulation |
Welche dieser Punkte zählen, hängt von der Fertigungsart ab. Ein Einzelfertiger, der jedes Stück nach Kundenwunsch baut, braucht vor allem gute Angebote, Stücklisten je Auftrag und Nachkalkulation. Ein Serienfertiger braucht Kapazitätsplanung und saubere Bestände. In der Lebensmittelherstellung kommen Rezepturen und Chargen dazu.
Wichtig ist die Abgrenzung zu PPS, also Produktionsplanung und -steuerung. Viele ERP-Systeme enthalten einfache PPS-Funktionen. Wer komplexe Feinplanung braucht, bindet oft ein eigenes Programm an, und dann muss klar sein, welches System führt.
Welche Standardsysteme kommen infrage, und was kosten sie?
Infrage kommen vor allem Cloud-ERP-Systeme mit Lager und Produktion, ab 24,90 € je Nutzer und Monat bei Jahreszahlung, und ihre Preismodelle unterscheiden sich stark. Die Tabelle nennt Beispiele mit öffentlicher Preisliste, Stand 02.11.2026. Sie ist eine Auswahl und keine Rangliste. Weitere Wege vergleicht ERP für kleine Unternehmen.
| Anbieter | Listenpreis | Lager und Produktion laut Anbieter |
|---|---|---|
| weclapp ERP Handel | 163 € je Nutzer und Monat bei Jahreszahlung, 179 € monatlich, netto | Paket enthält Lagerverwaltung mit mobiler App, Serien- und Chargennummern und Produktion mit Stücklisten und Arbeitsplänen |
| Xentral | Starter ab 349 € bei Jahreszahlung, 389 € monatlich; Business ab 649 € und 719 €; unbegrenzte Nutzer | Konkreter Preis hängt von Volumen, Modulen wie Produktion und dem B2B-Anteil ab |
| Microsoft Business Central | Essentials 69,30 €, Premium 95,30 € je Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung, zzgl. MwSt. | Erweiterte Funktionen für Produktion gibt es nur in Premium |
| Odoo | Standard 24,90 €, Custom 44,90 € je Nutzer und Monat bei Jahreszahlung; 31,10 € und 56,90 € monatlich | Fertigung gehört zu den Apps im Tarif, eigene Module verlangen Custom |
Für SAP Business One haben wir keine öffentliche Preisliste gefunden, die Einordnung steht in SAP Alternative für KMU.
Die Lizenz ist nur ein Teil der Rechnung. Sage nennt mit Bezug auf die Trovarit-Studie im Schnitt 6.142 € pro Arbeitsplatz für die Einführung bei Unternehmen bis 100 Mitarbeitenden, die Software eingeschlossen. Sage ist selbst ERP-Anbieter. Als Rechenbeispiel: Bei 20 Arbeitsplätzen wären das rund 123.000 €, das ist ein Durchschnittswert und kein Angebot. Eine typische Einführung im Mittelstand dauert laut einem Fachbeitrag in der Computerwoche, der sich auf die Trovarit-Studie 2024/25 stützt, zehn bis dreizehn Monate. Wie du das in Schritte teilst, zeigt ERP-Einführung Baustein für Baustein.
Wann passt ein Standard-ERP, und wann ein eigenes Betriebssystem?
Ein Standard-ERP passt, wenn deine Abläufe dem Üblichen deiner Branche ähneln, und ein eigenes Betriebssystem, wenn genau deine Abweichung vom Üblichen dein Geschäft ausmacht. Für viele Händler und Hersteller ist Standard die richtige Antwort, weil Lager, Einkauf und Buchhaltung dort schon gut gelöst sind.
Das spricht für ein Standard-ERP:
- Der Test mit einem echten Auftrag läuft ohne Umwege.
- Ihr habt wenig Zeit, Abläufe zu beschreiben und zu entscheiden.
- Eure Kunden erwarten nichts, was der Standard nicht kann.
Das spricht für ein eigenes Betriebssystem:
- Eure Preislogik, Variantenfertigung oder Kundenanbindung passt in kein Paket.
- Das Team arbeitet neben dem System in Excel-Listen, weil der Ablauf dort sonst nicht geht.
- Anpassungen am vorhandenen ERP dauern lange oder sind teuer geworden, siehe Vendor-Lock-in.
- Ihr wollt KI-Agenten, die Bestände, Aufträge und Kundenverlauf zugleich kennen.
Beides lässt sich auch verbinden. Ein bestehendes ERP kann Lager und Finanzen behalten, während ein eigener Baustein genau den Vorgang abdeckt, der im Standard hakt. Solche Kopplungen haben ihren Preis, wenn beide Seiten dieselben Daten ändern, das erklärt CRM und ERP verbinden. Die Grundlagen stehen in Betriebssystem für den eigenen Betrieb und Standard-ERP vs. eigenes System.
Wo helfen KI-Agenten in Großhandel und Produktion?
KI-Agenten helfen dort, wo Vorgänge viel Lesen, Abgleichen und Nachfragen verlangen und die Daten im System liegen. Entscheidend ist der Zugriff: Laut Bitkom nennen KI-Anwender ab 20 Beschäftigten in Deutschland die Aufbereitung von Daten (50 Prozent) und die Integration in bestehende Systeme (41 Prozent) als große Kostenpunkte. Mehr dazu steht in KI-Betriebssystem für Unternehmen.
| Vorgang | Was der KI-Agent übernehmen kann | Was beim Betrieb bleibt |
|---|---|---|
| Bestellungen per E-Mail oder PDF | Auftrag vorbereiten, Artikel und Preise zuordnen | Freigabe bei Abweichungen |
| Rückfragen zu Lieferterminen | Antwort aus Auftrag und Bestand vorbereiten | Zusagen bei Engpässen |
| Einkauf | Bestellvorschläge vorbereiten, Rückstände nachfassen | Bestellung auslösen |
| Reklamationen | Vorsortieren, Charge und Lieferung zuordnen | Entscheidung über die Kulanz |
| Fertigung | Rückmeldungen zusammenfassen, Verzug melden | Umplanung |
Die Regel bleibt einfach: Wo es um Geld, Kunden oder Verträge geht, gebt ihr frei.
Wie fängst du am besten an?
Am besten fängst du mit einem Vorgang an, nicht mit der Systemauswahl.
- Vorgang wählen: Nimm den Ablauf, bei dem am meisten abgetippt oder nachgefragt wird, oft die Auftragserfassung oder die Lieferterminauskunft.
- Fristen prüfen: Klär, ob Kunden EDI oder E-Rechnungen verlangen und was das bis Ende 2027 bedeutet.
- Anforderungen aufschreiben: Die Lastenheft-Vorlage gibt dir eine Gliederung als Word-Datei.
- Mit echten Daten testen: Spiel denselben Auftrag in zwei bis drei Systemen durch, samt Teillieferung und Reklamation.
- Entscheiden: Passt ein Standard, nimm ihn. Passt keiner, bau genau diesen Baustein zuerst.
Bei uns gilt für ein eigenes System ein Festpreis je Baustein und eine monatliche Pauschale für Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung. Der erste Baustein läuft meist nach 4 bis 6 Wochen, das ganze System wächst über einige Monate. Euer individueller Code und eure Daten gehören euch, sobald der Baustein bezahlt ist. Den genauen Preis nennen wir nach dem 30-Minuten-Gespräch. Wie dein Betriebssystem aussehen könnte, siehst du auf der Startseite: Firmenwebsite eingeben, und in einer Minute liegt ein erster Entwurf vor.
Quellen
Alle abgerufen am 02.11.2026. Listenpreise laut Preisseite des Anbieters, sie können sich ändern und hängen teils von der Laufzeit ab. Bei Odoo gilt ein angezeigter Rabatt 12 Monate für anfänglich bestellte Nutzer.
- Eurostat, Tabelle isoc_eb_iipn2, Daten 2025: Unternehmen ab 10 Beschäftigten. Datenabruf für EU, Deutschland und Österreich, Indikatoren E_ERP1 und E_CRM1, NACE G46, G47, C, C10-C12, C24_C25, C28, C31-C33 und C10-S951_X_K. Eigene Auswertung.
- Verordnung (EG) 178/2002, Artikel 18
- GS1 Germany, Datenaustausch
- § 27 UStG, Absatz 38
- weclapp, Preise
- Xentral, Preise
- Microsoft, Dynamics 365 Business Central Preise
- Odoo, Preise
- Sage, ERP-Einführung: Kosten, Dauer und typische Fehler, 11.08.2026
- Computerwoche, 22.07.2026
- Bitkom, Presseinformation vom 14.09.2026: 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland.
Häufige Fragen
Wie viele Großhändler und Hersteller nutzen ein ERP?
Laut Eurostat nutzen 2025 im Großhandel 70,4 Prozent der Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland ein ERP und 68,8 Prozent in Österreich. In der Herstellung sind es 63,3 und 59,0 Prozent, im Maschinenbau 78,8 und 82,2 Prozent. Über alle Branchen liegt der Wert bei 43,5 und 37,5 Prozent.
Welches ERP passt für den Großhandel?
Das, was deine Artikel, Preislogik, Lager und Kundenanbindung ohne große Umwege abbildet. Prüf es mit einem echten Auftrag samt Sonderpreis, Teillieferung und Rückgabe. Listenpreise und Pakete von weclapp, Xentral, Microsoft und Odoo stehen im Artikel.
Was ist der Unterschied zwischen ERP und PPS?
PPS steht für Produktionsplanung und -steuerung und regelt, was wann auf welcher Maschine gefertigt wird. Ein ERP umfasst zusätzlich Verkauf, Einkauf, Lager und Finanzen. Viele ERP-Systeme enthalten einfache PPS-Funktionen, für komplexe Planung gibt es eigene Programme, die angebunden werden.
Brauche ich als Großhändler EDI?
Wenn große Kunden oder Lieferanten es verlangen, ja. Über EDI tauschen Geschäftspartner laut GS1 Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen automatisiert aus. In Deutschland dürfen Rechnungen laut § 27 Abs. 38 UStG nur noch bis Ende 2027 mit Zustimmung über EDI in Formaten laufen, die nicht der E-Rechnungsnorm entsprechen. Danach braucht es ein Format, das die Vorgaben erfüllt.
Muss ich Chargen rückverfolgen können?
Artikel 18 der Verordnung (EG) 178/2002 verlangt bei Lebensmitteln, dass du Lieferanten und belieferte Unternehmen feststellen kannst. Chargen nennt er nicht ausdrücklich. Im System sind sie aber ein einfacher Weg, bei Rückrufen oder Reklamationen schnell zu wissen, welche Ware wohin ging, auch außerhalb des Lebensmittelbereichs.
Was kostet ein ERP für Großhandel und Produktion?
Die Listenpreise reichen laut Anbieterseiten, Stand 02.11.2026, von 24,90 € (Odoo Standard, Jahreszahlung) bis 179 € (weclapp ERP Handel, monatlich) je Nutzer und Monat, Xentral ab 349 € im Monat bei Jahreszahlung. Dazu kommt die Einführung. Laut Sage nennt die Trovarit-Studie dafür bei Unternehmen bis 100 Mitarbeitenden im Schnitt 6.142 € pro Arbeitsplatz, Software eingeschlossen.